
Köln im Februar und März: Knappe 8 Wochen, ganze 59 Tage und somit 1.416 Stunden lang war die Zeughausstraße 10 das Zuhause meines Pop-Up-Ladens: „(d)ein Raum für Trauer“. Ein Ort, an dem Menschen sich zum Thema Trauer und Verlust austauschen und informieren konnten.
Für mich war schon zu Beginn meiner Gründung klar: Ich möchte einen physischen Ort für trauernde Menschen schaffen, wo Veranstaltungen stattfinden und gemeinsam gelacht und geweint werden darf.
Genau diese Vision wurde im Februar und März Wirklichkeit. Wir haben gemeinsam gelacht und geweint bei Events wie:
Darüber hinaus nutzte ich den Laden für Kund:innen-Termine, als eigenes Büro, für Netzwerk-Treffen und als Coworking-Space. Ein Highlight war der Rosenmontagsumzug, wo der Zug direkt an der Tür meines Ladens vorbeizog und ich dort mit meinen Freund:innen feiern konnte. All das ist für mich Trauerarbeit.

Quelle: Caro Zündorf
Wenn wir an Trauer denken, entstehen oft Bilder in schwarz-weiß: still, dunkel und einsam. Doch in der Zeughausstraße 10 sah das anders aus: zwei große Fensterscheiben mit der Beschriftung: „(d)ein Raum für Trauer“ und „Caro Zündorf, die Freie Rednerin und Trauerbegleiterin“. Nur knapp 10 Minuten vom Kölner Dom entfernt liefen täglich hunderte Menschen am Laden vorbei und schauten hinein. Das Schaufenster war ganz bewusst offen und bunt inszeniert, mit Discokugeln und Regenbogenflaggen. Denn genau so möchte ich Trauer und Verlust in die Mitte der Gesellschaft holen: mit Farbe, Lebensfreude und Haltung.
Besonders wichtig war mir, einen Safer Space für queere Menschen zu schaffen. So gründete ich die erste queere Trauergruppe Kölns. Sie trifft sich nun einmal monatlich. Trauer und Verlusterfahrungen haben nicht nur mit dem Tod zu tun. Auch ein Umzug oder die Trennung nach einer Liebesbeziehung möchten betrauert werden. Im queeren Kontext kann Trauer komplexer sein oder erschwert werden, wenn etwa die eigene Sexualität oder Identität gesellschaftlich diskriminiert werden. Weitere Trauerprozesse kommen hinzu wie beispielsweise das eigene Outing, möglicherweise ein Kontaktabbruch mit der Herkunftsfamilie oder auch die Verabschiedung eines „klassischen“, heteronormativen Lebensentwurfs.
Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diesen Ort zwei Monate lang in Köln gestalten durfte. Ich habe so viele Menschen wiedergetroffen oder neu kennengelernt und immer wieder erlebt: wenn wir uns öffnen und verletzlich zeigen, entsteht etwas Verbindendes, das wir miteinander teilen.
Jetzt ist April und ich plane bereits neue Kooperationen und Orte, um auch weiterhin „Räume für Trauer“ zu schaffen. Denn ich wünsche mir, dass wir Verluste nicht länger alleine im stillen Kämmerlein erleben, sondern dass wir sie kollektiv, bunt und mitten im Leben sichtbar machen. Und wo wäre das besser möglich als in Köln?
Denn so traurig das Leben manchmal ist, so schön kann es doch auch sein. ❤️
Gemeinsam machen wir Trauer sichtbar und geben ihr den Platz, den sie verdient. Ob fachlich, privat oder als Unterstützer*in — hier ist Raum für Vernetzung und Engagement.
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Wir arbeiten mit Menschen und Organisationen zusammen, die Trauer nicht wegsortieren, sondern ihr Raum geben.
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