Trauer darf widersprüchlich sein

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Quelle: MarioGuti (Getty Images Signature)

Über Gefühle, die viele an sich selbst verunsichern

Darf ich das überhaupt fühlen?

Diese Frage begegnet vielen Trauernden.
Nicht, weil ihre Gefühle ungewöhnlich wären.
Sondern weil manche von ihnen nicht zu dem passen, was sie von Trauer erwartet hätten.
Mit manchen Gefühlen rechnen viele.
Traurigkeit gehört dazu.
Sehnsucht oft auch.
Schwieriger wird es bei den Gefühlen, die nicht in das eigene Bild von Trauer passen.
Erleichterung.
Dankbarkeit.
Leichtigkeit.
Oder ein Moment von Freude.
Und genau diese Gefühle lassen viele Trauernde an sich selbst zweifeln.

Wenn Gefühle nicht zusammenpassen

Viele Menschen verbinden Trauer vor allem mit Traurigkeit.
Doch Trauernde erleben oft deutlich mehr.
Liebe und Wut.
Sehnsucht und Erleichterung.
Dankbarkeit und Schmerz.
Manchmal sogar innerhalb weniger Minuten.
Gefühle halten sich nicht an Vorstellungen.
Sie folgen keinem Plan.
Und sie fragen nicht, ob sie gerade zusammenpassen.

Erleichterung und Schuld

Besonders nach langen Krankheitsverläufen berichten viele Trauernde von einem Gefühl, über das selten gesprochen wird:
Erleichterung.
Nicht über den Tod.
Sondern darüber, dass eine Zeit voller Sorgen, Anspannung oder Hilflosigkeit zu Ende gegangen ist.
Für manche fühlt sich dieses Gefühl zunächst wie ein Verrat an.
Dabei erzählt Erleichterung oft nicht von fehlender Liebe.
Sondern von einer Belastung, die lange getragen wurde.

Zwischen Vermissen und Leben

Trauer findet nicht außerhalb des Lebens statt.
Sie geschieht mitten darin.
Ein Gespräch kann guttun.
Ein Spaziergang kann schön sein.
Ein Urlaub kann gelingen.
Und trotzdem fehlt jemand.
Viele Trauernde erleben genau das als Widerspruch.
Vielleicht ist es gar keiner.
Das Leben geht weiter.
Und die Verbundenheit bleibt.

Gefühle müssen nicht eindeutig sein

Vielleicht besteht eine der größten Herausforderungen darin, die eigenen Gefühle nicht ständig zu hinterfragen.
Nicht jeder ruhige Tag bedeutet weniger Liebe.
Nicht jede Leichtigkeit bedeutet weniger Verbundenheit.
Und nicht jeder schwere Tag nimmt das wieder weg, was bereits getragen wurde.
Gefühle müssen nicht immer eindeutig sein.
Manchmal dürfen sie einfach nebeneinander existieren.
Denn Trauer schließt das Leben nicht aus.
Und das Leben schließt die Trauer nicht aus.
Vielleicht macht genau das Trauer manchmal so widersprüchlich.

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