Trost trifft Ton – fünf Fragen

Musik kann das Unsichtbare hörbar machen. In seinem Werk «TOTÄMÄSS – ein schweizerdeutsches Requiem» setzt sich Joël von Moos auf tiefgründige Weise mit dem Thema Trauer auseinander.

Im Tandem mit Marion Jaksch (Trostquelle Trauerbegleitung) beantwortet der Komponist fünf Fragen, die zum Weiterdenken einladen – persönlich, künstlerisch und existenziell.

1. Was bedeutet Trauer für dich?

Joël von Moos: Trauer zeigt uns, was uns wirklich etwas bedeutet hat. Oft ist sie weniger ein Blick nach außen – als ein Blick in uns selbst. Sie macht den Verlust spürbar, weil etwas fehlt, das uns wichtig war.

Marion Jaksch: Trauer ist ein sehr intensives, sehr rohes Gefühl. Sie ist ein Grundgefühl. Trauer lässt sich nicht dauerhaft unterdrücken. Sie will gesehen und anerkannt werden. Meine Aufgabe ist es, Menschen dabei zu begleiten, den Weg durchs Leben mit der Trauer zu gehen.

2. Was berührt dich an deiner Arbeit am meisten?

Joël von Moos: Mich berühren die Augenblicke, in denen Menschen nach einem Konzert auf mich zukommen – bewegt, still, manchmal mit Tränen. Wenn Musik dort etwas berührt hat, wo Worte nicht hinkamen, wird das Unsichtbare für einen Moment greifbar.

Marion Jaksch: Trauernde Menschen sind sehr nahe an ihrem Kern. Bildlich gesprochen leben sie gerade mit klaffenden Wunden in ihrer Seele. Es berührt mich, wie nahe ich ihnen, die mir bisher unbekannt waren, in dieser verletzlichen, verletzten Situation komme. Und natürlich berühren mich die Schicksalsschläge der Menschen, die ich begleiten darf.

3. Wie verändert die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer deinen Blick aufs Leben?

Joël von Moos: Ich fürchte den Tod nicht mehr so wie früher. Stattdessen spüre ich eine größere Dankbarkeit für das Leben – gerade, weil es endlich ist. Die Beschäftigung mit der Vergänglichkeit hat meinen Blick auf das Wesentliche geschärft: auf Zwischenräume, Begegnungen, Augenblicke.

Marion Jaksch: Die Themen Tod und Trauer sind schon sehr lange Teil meines Lebens. Je mehr ich in diese Welt eintauche, von ihr lerne, mich weiterbilde, desto mehr erkenne ich auch ihre Tiefe. Ich sehe nicht nur die Schrecken, sondern auch die Schönheit dieser Zeiten. Es macht mich dem Leben und der Natur gegenüber auf eine Art demütiger.

4. Was hilft dir, bei all dem innerlich gesund und kraftvoll zu bleiben?

Joel von Moos: Ich ziehe mich regelmäßig zurück, um nach innen zu hören. In intensiven Schaffensphasen lebe ich wie in einer Zwischenwelt – das ist herausfordernd, aber auch notwendig. Was mich trägt, ist das Vertrauen, dass jede kreative Tiefe auch wieder zur Oberfläche findet.

Marion Jaksch: Mir helfen die Natur, meine Tiere, Zeit mit meiner Familie und auch Zeit mit mir selbst. Ich liebe meine Berufe sehr. Neben der Arbeit als Familientrauerbegleiterin arbeite ich auch als Fachlehrerin für Religion in der Primarschule.
Ich denke, die Pendelbewegungen in meinem Leben halten mich gesund und kraftvoll. Arbeit und Freizeit. Allein sein und in Gesellschaft sein. Austauschen und Verarbeiten. Zur Ruhe kommen und Bewegung. Drinnen sein und in der Natur sein. Mit Menschen zusammen sein und mit Tieren zusammen sein. Lesen und Sprechen. Arbeiten und Spielen.

5. Was wünschst du dir von der Gesellschaft im Umgang mit Trauer?

Joël von Moos: Ich wünsche mir mehr Mut zur Stille. Trauer braucht Räume – nicht Optimierung. Sie darf Platz haben, ohne sofort getröstet, erklärt oder weggeredet zu werden. Vielleicht beginnt Heilung dort, wo wir einander einfach aushalten.

Marion Jaksch: Ich wünsche mir, dass die Trauer mehr Raum bekommt. Oft wird aus Unsicherheit geschwiegen. Das vermittelt Trauernden das trügerische Bild, dass sie allein mit ihren Gefühlen sind. Und das ist falsch. Wenn es um Trauer geht, dann sind wir, in irgendeiner Form, alle betroffen. Auch wenn uns das nicht immer bewusst ist. Trauer ist vielfältig. Und wir sind viele.

Blogbeitrag Januar 2026
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