Wenn Eltern um ihr Kind trauern

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Mutter weint um ihr Kind (Alter Südfriedhof, München)

Viele trauernde Eltern sagen: “Menschen in unserem Umfeld wissen nicht, wie sie mit uns umgehen können.”

Und oft sind die Eltern sogar noch diejenigen, die sich „schuldig“ fühlen, wenn ihr Gegenüber die Fassung verliert oder peinlich betreten schweigt. Gleichzeitig fühlen sich die meisten Menschen schlecht, wenn sie in einer solchen Grenzsituation nicht wissen, wie sie mit den trauernden Eltern umgehen können oder was sie sagen sollen. Und dann erleben beide Seiten die Situation schnell als richtig unangenehm.

Deshalb ein paar Gedanken zum Umgang mit Eltern, die um ein Kind trauern:

1. Sag nicht nichts!

Egal, was passiert: Nichts sagen, die „Situation“ ignorieren oder vorgeben, es sei nichts passiert, ist für Trauernde (Eltern und andere Personen) oft die schlimmste Reaktion. Selbst, wenn du also nicht weißt, was du sagen könntest, kannst du immer noch etwas sagen wie: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Und gerade deswegen: Es tut mir leid.“

Vor dem ersten Treffen kann es eine gute Idee sein, sich einen Satz zurechtzulegen, und ihn im stillen Kämmerlein auch mal laut gesagt zu haben. Was hier stimmig ist, ist sehr individuell. Finde deine eigene Variation von Klassikern wie „Mein Beileid“ oder „Es tut mir leid, dass du das erleben musst“.

Und natürlich bestätigen Ausnahmen auch hier die Regel. Zum Beispiel kann es sein, dass jemand sich im beruflichen Kontext wünscht, nicht angesprochen zu werden. Respektiere auch das.

2. Hab’ keine Angst davor, trauernde Eltern an ihr verstorbenes Kind zu erinnern.

Manchmal sagen Menschen, dass sie trauernde Eltern nicht an den Verlust erinnern möchten und sie deswegen nicht über das Kind oder den Verlust sprechen. Meine Erfahrung sagt: Ein Elternteil vergisst sein Kind nicht einfach, auch nicht, wenn es gestorben ist. Im Gegenteil: Gerade im Freundeskreis oder in der Familie freuen sich viele trauernde Eltern, wenn sie über ihr verstorbenes Kind sprechen dürfen. Das bringt mich direkt zum nächsten Punkt:

3. Sag den Namen des Kindes.

Das bedeutet vielen Eltern so viel!

4. Zuhören ist viel wichtiger als sprechen!

Die größte Angst haben Menschen scheinbar davor, dass sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Dabei ist Zuhören viel wichtiger als Sprechen. Echtes Zuhören bedeutet nämlich auch: „Ich halte das gerade mit dir aus, auch wenn es gerade kaum aushaltbar scheint: Du bist nicht allein!“ Das kann unglaublich stärkend sein.

5. Mache konkrete Vorschläge, die im Alltag helfen.

Wenn du mit den Eltern verwandt oder befreundet bist, gibt es Dinge, mit denen du ihnen den Alltag leichter machen kannst. Mit dem Hund Gassi gehen, etwas vom Einkaufen mitbringen oder anbieten, bei Formalitäten zu helfen – biete an, was dir leichtfällt und ihnen im Alltag Erleichterung bringt. Das ist viel besser als der Satz: „Meld’ dich, wenn du etwas brauchst…“ Ach ja: Es könnte sein, dass trauernde Eltern das Angebot ablehnen. Dann einfach dranbleiben, vielleicht passt es gerade nicht. Und es hat schon gar nichts mit eurer Freundschaft zu tun.


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Stele an einem Kindergrab (Alter Jüdischer Friedhof, München)

6. Lade die trauernden Eltern ein, aber lasse sie spontan entscheiden, ob es für sie das Richtige ist.

Business-as-usual versus Rücksichtnahme: In dem Dilemma finden sich viele Menschen wieder, wenn sie überlegen, ob sie trauernde Menschen zu etwas einladen. Ehrlicherweise: Viele Trauernde wissen auch nicht, ob sie zu einem Familienfest, einer Weihnachtsfeier oder der Geburtstagsfeier im Freundeskreis kommen möchten, und manchmal wissen sie es erst kurz vor der Feier. Mein Tipp: Lade sie ein und räume ihnen die Chance ein, sehr spontan am Tag selbst zu entscheiden, ob die Teilnahme passt oder nicht.

7. Erinnere dich, auch nach den ersten Monaten.

Trauer dauert länger, als viele Menschen annehmen, und die Trauer um ein Kind (oder andere sehr enge Menschen) ist auch dann noch da, wenn der Alltag wieder im Griff zu sein scheint. Und gerade dann vergisst das Umfeld das verstorbene Kind schnell … Aber die Eltern vergessen sicher nicht. Deswegen: Je näher du den trauernden Eltern bist, desto eher notiere dir Termine wie den Geburtstag, den Todestag, den ungefähren Zeitpunkt einer ersten Diagnose oder den errechneten Geburtstermin. Sprich die Eltern auch weiter auf ihr Kind an, frag, ob du mit ihnen das Grab besuchen darfst (wenn du es kannst), oder teile eine schöne Erinnerung mit ihnen. Falls du Angst hast, die Eltern an den Verlust zu erinnern – siehe 2.

8. Nachfragen von Herzen funktionieren besser als „Wie geht es dir?“ oder andere Floskeln.

Die Floskel „Wie geht es dir?“ ist für viele Trauernde schwer zu beantworten. Ich denke, dass der Satz deswegen ein so hohes Allergiepotenzial hat, weil er als Small-Talk verstanden wird. Wenn du echtes Interesse daran ausdrücken möchtest, wie es ihnen geht, finde eine Alternative, zum Beispiel: Wie stehst du heute da? Was beschäftigt dich gerade? Manche sind schon okay mit der Erweiterung „Wie geht es dir heute?“

Oder du probierst es so: „Ich weiß, dass es ein doofer Satz ist, aber es interessiert mich wirklich, wie es dir heute geht – falls du mir überhaupt etwas erzählen möchtest?“

Und an diesem Punkt sieht man besonders deutlich: Die Haltung, mit der man etwas sagt oder tut, entscheidet. Wenn etwas von Herzen kommt, kann es ein gutes Gespräch eröffnen – unabhängig von der Formulierung.

9. Trau dich, der eigenen Angst in die Augen zu schauen.

Dass ein Kind sterben könnte, gehört für viele Menschen zu den schlimmsten Ereignissen, die sie sich vorstellen können. Hinter der Angst kann das Gefühl stecken, dass die als natürlich wahrgenommene Reihenfolge nicht eingehalten wurde (das bedeutet, Kinder sollten ihre Eltern überleben); oder sie fühlen sich konfrontiert mit der Angst, das eigene Kind nicht vollständig schützen zu können. Menschen können sich ohnmächtig fühlen. Oder sie sehen den Glauben an eine sichere Welt erschüttert.

Was auch immer es ist: Stell dich deiner Angst, denn jetzt gerade geht es um die andere Person.

Mein Fazit: Manchmal gibt es kein Richtig….

Wenn ein Kind stirbt, ist das eine echte Herausforderung, auch im Umgang mit den Eltern. Und manchmal kann man es gefühlt auch kaum richtig machen. Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die Ausgangssituation so falsch anfühlt.

Bei aller Angst, etwas falsch zu machen oder etwas Falsches zu sagen: Echtes Interesse, echte Anteilnahme, echte Bereitschaft, die Situation auszuhalten, tragen ein Gespräch. Und was ich auch erlebe: Worte aus echter Anteilnahme finden einen Weg zum Gegenüber, auch wenn sie wenig poliert wirken.

Mein Tipp: Trau dich. Die Tatsache, dass du dich meldest, dranbleibst, ehrliche Anteilnahme zeigst und ja – dich traust, wird einen Unterschied machen.

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TTF Crew Autor*in

Petra Meyer
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