Suizidpräventionskampagne der Trauer Taskforce

Wortwechsel — weil Schweigen kein Schutz ist

Suizid passiert jeden Tag. Und noch immer wird zu wenig darüber gesprochen.
Wir sind Expert*innen für Trauer und Suizid – und wir sind selbst Suizidbetroffene.
Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn Worte fehlen. Und wir wissen, wie wichtig es ist, dass sich genau das ändert.

Wir kämpfen für Sprache, die verbindet – nicht ausgrenzt.
Für Worte, die Halt geben – nicht verletzen.
Das Wort „Selbstmord“ hat in einer respektvollen Sprache keinen Platz. Es stigmatisiert, beschämt – und hindert Menschen daran, Hilfe zu suchen.
Vor allem, weil viele in der Krise ohnehin das Gefühl haben, versagt zu haben. Weil sie glauben, nicht so zu funktionieren wie andere. Und sich dadurch selbst in Frage stellen.

Deshalb wollen wir den Wortwechsel.
Mutig. Echt. Respektvoll.

Suizidprävention beginnt lange bevor es zur Krise kommt – mitten in der Gesellschaft, mitten im Leben.
Es braucht Sprache, die Not anerkennt – nicht bewertet.
Worte, die sagen: Du darfst da sein, so wie du bist.
Worte, die Hilfe möglich machen.

Es braucht Menschen, die nicht über uns sprechen – sondern mit uns.
In Krisen. Nach einem Suizid. Und davor.

Mach mit. Zeig Haltung.
Sprich mit uns – für echte Hilfe bei Suizid.
Und gegen das Schweigen.

Gemeinsam verändern wir Sprache.
Gemeinsam verändern wir die Kultur des Hinsehens.

Suizid – das Letzte, worüber man schweigen sollte.

 

Mutig. Echt. Respektvoll

Aufklären

Bewusstsein schaffen

Miteinander sprechen

Stigma abbauen

Brücken bauen

Hilfe finden

Sprache die verbindet - nicht ausgrenzt

Give me the facts

Jeder Suizid ist ein schmerzlicher Verlust – für Familie, Freund*innen, Angehörige.

Doch Suizid betrifft noch viel mehr Menschen:
Rettungskräfte, Polizei, Mitarbeitende im öffentlichen Nah- und Fernverkehr – und letztlich uns alle als Gesellschaft.

Suizid ist kein Randthema.
Er betrifft Systeme, Institutionen, Alltagsorte.
Er betrifft Menschen – in jedem Alter, in allen Lebenslagen.
Und er betrifft uns alle.

Deshalb braucht es mehr Sichtbarkeit.
Mehr Wissen.
Mehr Gespräche.
Mehr Raum – für Fakten, für Gefühle, für neue Wege.

Suizid geht uns alle etwas an.

Warum wir wechseln

Weil Schweigen tötet.
Weil Worte Leben retten können.
Weil Suizid uns alle betrifft.

Suizid ist Alltag

In Deutschland sterben jede Woche 210 Menschen durch Suizid.

Pro Tag 30.

Alle 48 Minuten.

-> 48 Minuten — so lange dauert ein Basketballspiel in der NBA.

Jeder Suizid betrifft viele Menschen. Studien sprechen von bis zu 135 Betroffenen pro Suizid.

Das heißt:
10.119 Suizide (2022) → rund 1,37 Millionen direkt und indirekt betroffene Menschen.

Suizidversuche

Mindestens 100.000 Suizidversuche pro Jahr in Deutschland.

Zur Einordnung:
Das größte Stadion in Deutschland — Signal Iduna Park — fasst 81.365 Menschen.

Andere Schätzungen gehen von 10 bis 30-mal so vielen Suizidversuchen wie vollendeten Suiziden aus.

Das bedeutet im gesamten deutschsprachigen Raum:
123.530 bis 370.590 Suizidversuche jährlich.

Suizid ist nie eine leichte Entscheidung

Suizidgedanken sind nicht saisonabhängig — sie sind immer menschlich.

Winter = oft höchste Belastung.
Doch die meisten Suizide geschehen in Deutschland im Mai, März und Juli.

Suizid kann sowohl spontaner Impuls — wie auch ein Wendepunkt nach langem innerem Ringen sein.

Altersgruppen

Suizid betrifft jede Altersgruppe und jede Gesellschaftsschicht.

Mehr Menschen sterben durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Drogen und AIDS zusammen.

Bei Kindern und Jugendlichen sterben täglich durchschnittlich 1,5 Menschen durch Suizid — 75 % davon männlich.

Im Alter kommt es oft zu "stillen Suiziden", auch in Pflegeheimen.

Am Ende verlieren wir alle

Hinter jeder Zahl steht ein Mensch in großer Not.

Eine Mutter. Ein Vater. Ein Freund. Eine Kollegin. Ein Sohn. Eine Schwester.

Suizidale Menschen brauchen echte Hilfe — ohne Scham, ohne Vorurteile, ohne Stigma.

Unsichtbar bleiben oft die Suizidbetroffenen — Menschen, die nach einem Suizid weiterleben müssen. Auch sie brauchen echte Hilfe. Respektvoll. Offen. Ohne Stigma.

Am Ende verlieren wir alle — als Gesellschaft.

Risikofaktoren

Suizidalität hat viele Ursachen.

Risikofaktoren sind u.a.:

  • Psychische Erkrankungen (Depression, Sucht)

  • Frühere Suizidversuche

  • Körperliche Erkrankungen & Schmerzen

  • Traumatische Erlebnisse (Suizid eines geliebten Menschen, Verlust, Gewalt, Flucht)

  • Soziale Isolation

  • Höheres Lebensalter

  • Männliches Geschlecht

Risikofaktor Alter

Rund 3.500 über 65-Jährige nehmen sich jährlich das Leben — das sind 35 % aller Suizide in Deutschland.

Altersarmut, Einsamkeit, Krankheit und fehlende Unterstützung erhöhen das Risiko.

Suizidprävention im Alter heißt: Zuhören. Wahrnehmen. Unterstützen.

Risikofaktor Mann

In Deutschland sind 75 % der Suizidopfer männlich — weltweit ist das Bild ähnlich.

Das sogenannte Gender Paradox:
Männer haben weniger Suizidversuche als Frauen — aber sterben häufiger durch Suizid.

Weil sie oft keine Hilfe suchen. Weil Sprache fehlt. Weil Tabus größer sind.

Kinder & Jugendliche

Suizid ist die häufigste Todesursache bei Menschen unter 25 Jahren.

Ursachen sind häufig:

  • Familiäre Belastungen

  • Gewalt, Missbrauch, Mobbing

  • Psychische Erkrankungen

  • Schulischer Druck

  • Fehlende Bezugspersonen

  • Traumatische Erlebnisse

  • Vorbilder im nahen Umfeld

Die Macht der Worte

Sprache ist nie neutral.
Sie kann entlasten oder beschämen, Hoffnung wecken oder lähmen.
Gerade im Umgang mit Suizid entscheidet Sprache darüber, ob Menschen sich öffnen – oder weiter schweigen.
Worte können verbinden, Türen öffnen – oder verschließen.
Deshalb beginnt echte Prävention mit dem Wortwechsel.

Werther-Effekt

Der Werther-Effekt beschreibt das erhöhte Risiko für Nachahmung, wenn Suizid in Medien detailliert, dramatisiert oder romantisiert dargestellt wird.
Besonders vulnerable Menschen können sich dadurch in ihrer Verzweiflung bestärkt fühlen.
Verantwortungsvolle Berichterstattung, achtsame Sprache und die Vermeidung von Details sind entscheidend.
Denn wie über Suizid gesprochen wird, kann Einfluss auf das Verhalten anderer haben – im Guten wie im Schlechten.

Papageno-Effekt

Der Papageno-Effekt zeigt:
Wenn Menschen öffentlich über eigene suizidale Erfahrungen sprechen – offen, ehrlich und mit dem Fokus auf Bewältigung – kann das Suizidgedanken verringern.
Aufklärung durch Betroffene macht sichtbar: Es gibt Wege aus der Krise. Es gibt Hoffnung, Hilfe und Menschen, die verstehen.
Suizidprävention braucht Stimmen, die ermutigen – und Worte, die Halt geben.

> Medizinische Universität Wien

Sprich mit uns — gegen das Schweigen.

Was denkst du darüber?

Welche Erfahrung hast du gemacht?
Was fehlt deiner Meinung nach?
Welches Problem ist aus deiner Sicht besonders dringend?

Schreib uns. Teil deine Gedanken.

Wir hören zu — und bleiben im Gespräch.

Bitte bestätigen

Ein Wort kann halten, wenn sonst nichts hält

Sprache ist mehr als Ausdruck – sie ist Wirkung

Sie prägt, wie wir fühlen, denken, handeln.
Sie kann verbinden oder trennen. Helfen oder verletzen.
Gerade in der Suizidprävention macht Sprache einen Unterschied:
Sie kann Türen öffnen – oder verschließen.

Deshalb sagen wir: Sprache wirkt. Und sie wirkt nicht neutral.

Sprache wirkt

Sprache beeinflusst, wie wir fühlen, denken und handeln. Sie prägt unsere Wahrnehmung, unsere Bewertungen – und unser Mitgefühl.

Wir sehen euch. Wir hören euch.

Suizidhinterbliebene und Betroffene dürfen nicht vergessen werden. Ihre Perspektiven gehören in jede ernst gemeinte Suizidprävention.

Reden hilft. Auch über das, was fehlt.

Wir müssen hinsehen, wo Versorgung fehlt. Nur wer Missstände erkennt und anspricht, kann echte Hilfe ermöglichen.

Worte tragen Verantwortung – auch in der Krise

Das Wort „Selbstmord“ kriminalisiert und beschämt. Es erzeugt Schuld – genau da, wo Menschen in tiefster Not sind.

Neue Begriffe schaffen Verbindung

Sie ermöglichen Gespräche über Schmerz – ohne Scham. Sie fördern Mitgefühl, Verständnis und brechen Tabus.

Kommunikation als Brücke

Respektvolle Sprache baut Barrieren ab. Sie schafft Verbindung – und bringt Menschen mit der Hilfe in Kontakt, die sie wirklich erreicht.

Sprache, die sagt: Du darfst da sein

Sprache wirkt – auch in der Berichterstattung

Medien prägen, wie wir als Gesellschaft über psychische Gesundheit und Suizid sprechen – oder eben nicht sprechen.

Ob in Artikeln, Radiobeiträgen, Talkshows, Serien, Reportagen oder Streaminginhalten:
Sprache macht einen Unterschied.
Sie kann aufklären oder verschweigen, entstigmatisieren oder beschämen, Menschen erreichen – oder sie weiter isolieren.

Insbesondere bei sensiblen Themen wie Suizid ist es entscheidend, nicht nur über Inhalte, sondern auch über Wortwahl, Haltung und Perspektive nachzudenken.
Reißerische Schlagzeilen, vereinfachende Dramaturgien oder stereotype Darstellungen können nicht nur retraumatisieren, sondern auch konkrete Risiken erhöhen.

Wir appellieren an alle Medienschaffenden:
Nutzen Sie Ihre Reichweite, um respektvoll und differenziert zu berichten.
Achten Sie auf Begriffe, die stigmatisieren – und auf solche, die verbinden.
Schaffen Sie Raum für Perspektiven von Betroffenen – nicht nur von außen, sondern auch von innen.

Suizidprävention beginnt auch in Redaktionen, in Drehbüchern, in Interviews und Produktionssitzungen.

Sprache kann Türen öffnen – für Verständnis, für Hilfe, für neue Wege.

Sprechen Sie mit uns. Wir unterstützen Sie gerne bei Recherche, Wortwahl oder Hintergrundwissen.
Denn auch Medien tragen Verantwortung – und sie können Teil der Lösung sein.

Sei Teil des Wandels

So kannst du mitmachen bei Wortwechsel

Du möchtest etwas bewegen?
Dann werde Wortwechsel-Botschafter*in – und hilf mit, die Sprache rund um Suizid zu verändern. Deine Stimme zählt! Gemeinsam können wir für mehr Bewusstsein sorgen und echte Suizidprävention fördern.

Teile unsere Botschaft

Ein Klick kann Leben verändern. Teile den Link zu unserer Kampagnenseite auf Social Media, per Mail oder im Gespräch mit Freund*innen und Familie. Je mehr Menschen wir erreichen, desto stärker wird unsere gemeinsame Stimme.

Sprich darüber

Entstigmatisierung beginnt im Alltag. Verwende den Begriff „Suizid“ respektvoll – und ermutige andere, offen über Gefühle, Krisen und Erfahrungen zu sprechen. Ein offenes Ohr kann der erste Schritt zur Hilfe sein. Fördere eine Kultur des Verstehens – ganz ohne Bewertung.

Folge uns auf Social Media

Bleib informiert und hilf mit, unsere Botschaft zu verbreiten. Jeder geteilte Post sorgt für Sichtbarkeit. Folge uns – teile uns – sei dabei.

Du hast Kontakte in die Medienwelt?

Ob Journalist*in, Redakteur*in oder Content Creator – deine Kontakte können den Unterschied machen. Hilf mit, unsere Botschaft dorthin zu bringen, wo sie gehört wird. Melde dich – wir freuen uns auf dich!

Gemeinsam verändern wir Sprache – und mit ihr die Welt.

Werde Teil dieser Bewegung für mehr Verständnis, Offenheit und echte Hilfe.

Was du tun kannst – ganz konkret:

Du als Einzelperson

Sprache macht den Unterschied.
Sag Suizid oder Selbsttötung — nicht Selbstmord.

Teile deine Erfahrungen. Sprich offen über psychische Krisen. So hilfst du, Stigma zu brechen und machst anderen Mut.

Unsicher? Frag uns — wir unterstützen dich.

Du als Medienschaffende*r

Du prägst, wie Gesellschaft über Suizid spricht.

Verwende Wechselworte wie Suizid oder Selbsttötung.
Berichte sorgfältig und ohne Sensationssprache.
Zeige Hilfsangebote — für Betroffene und Hinterbliebene.

! Setze am besten einen Hinweis auf die Trauer Taskforce Webseite.

Unsicher? Frag uns — wir unterstützen dich.

Zu unseren Medientipps hier

Du als Organisation / Institution

Sprache verändert Kultur.

Ersetze Selbstmord konsequent in deinen Angeboten — in Schulungen, Workshops und auf Social Media.

Zeig Haltung. Mach Hilfe sichtbar.

Unsicher? Frag uns — wir unterstützen dich.

Mach mit. Zeig Haltung.

Warum ist das Wort Selbstmord eigentlich negativ belegt?

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie tief Schuld, Scham und gesellschaftliche Ächtung den Umgang mit Suizid geprägt haben. Über Jahrhunderte galt Suizid, besonders im religiösen und moralischen Kontext, als Verbrechen – gegen sich selbst, gegen Gott, gegen die Gemeinschaft.

Der Begriff „Selbstmord“ stammt aus dieser Zeit. Er enthält das Wort „Mord“ – eine gezielte, strafbare Tötung. Doch wer in tiefster Not keinen anderen Ausweg mehr sieht, handelt nicht als Täter, sondern als Mensch in einer Verzweiflung, die jenseits von Worten und Vorstellung liegt. Das Wort „Selbstmord“ stigmatisiert – oft unbewusst, aber mit spürbaren Folgen.

Antike

Schon in der Antike existierten gegensätzliche Sichtweisen auf Suizid. Während einige Philosophien ihn als Ausdruck menschlicher Freiheit wertschätzten, galt er anderen als Verstoß gegen göttliche Ordnung. Pythagoras und seine Anhänger betrachteten Suizid als Auflehnung gegen die Götter und hielten ihn wegen der angenommenen Seelenwanderung für sinnlos. Der Philosoph Hegesias (3. Jh. v. Chr.) hingegen sah Suizid als Möglichkeit, sich von einem leidvollen Leben zu befreien. Seine Lehren fanden so großen Anklang unter jungen Menschen, dass man ihm öffentliches Reden verbot. In der griechischen Gesellschaft wurde Suizid nicht pauschal bestraft; seine Bewertung hing von Philosophie, sozialem Status und Umständen ab. In Athen war Suizid nicht strafbar, konnte aber rechtliche und soziale Folgen für Hinterbliebene haben.

Römisches Reich

Auch im römischen Reich war Suizid gesellschaftlich umstritten, jedoch meist nicht strafrechtlich verfolgt. Das römische Erbrecht hatte indirekten Einfluss, etwa auf die Vermögensregelung bei Suizid. Stoische Philosophen wie Seneca und Marcus Aurelius sahen Suizid als Akt der Selbstbestimmung, um ein Leben in Unwürde zu vermeiden. Andere Denker bewerteten ihn hingegen als Schwäche oder moralisch fragwürdig.

Frühchristentum und Mittelalter

Mit dem Aufstieg des Christentums wandelte sich die Sichtweise radikal. Im Alten Testament gibt es zwar Beispiele für "ehrenhafte" Suizide wie bei Samson oder Saul. Doch ab dem 5. Jahrhundert verurteilte Augustinus Suizid eindeutig als schwere Sünde. Die Synode von Orléans (533) bezeichnete Suizid als das schlimmste aller Verbrechen. 1248 entschied die Synode von Nîmes, Suizidenten das Begräbnis in geweihter Erde zu verweigern, mit Ausnahmen bei geistiger Umnachtung. Martin Luther sah im Suizid zwar das Werk des Teufels, brachte aber auch Mitgefühl für die Betroffenen zum Ausdruck.

Fernöstliche Religionen

In vielen fernöstlichen Lehren wurde Suizid abgelehnt. Im Buddhismus gilt er als Vergeudung der seltenen Möglichkeit zur Erlösung, die nur als Mensch erreicht werden kann. Dennoch wird das Thema heute differenzierter diskutiert. Im Hinduismus wird Suizid meist als Flucht vor dem Karma gesehen und führt zur Verschlechterung im nächsten Leben. In extremen Fällen kann er aber als geringeres Übel angesehen werden, wie in der früheren Praxis der Witwenverbrennung (Sati). Im Islam, obwohl der Koran Suizid nicht explizit behandelt, gilt laut Hadith: "Wer Selbstmord begeht, wird vom Feuer der Hölle gequält." Dennoch werden Suizidverstorbene regulär bestattet. In Japan war der ritualisierte Suizid (Seppuku) ab dem 12. Jahrhundert unter Samurai verbreitet und wurde erst 1868 verboten.

Renaissance und Aufklärung

Die Renaissance brachte neue Perspektiven. Michel de Montaigne (1533–1592) sprach sich für das Recht auf den selbstgewählten Tod aus. Er kritisierte die religiös motivierte Verdammung als Ausdruck eines feigen Lebens. Im 17. und 18. Jahrhundert begannen Aufklärungsphilosophen wie David Hume, Suizid als rationalen Akt zu betrachten, wenn das Leben unerträglich wurde.

England & Frankreich im 16. bis 18. Jahrhundert

In England wurde Suizid im Jahr 1624 durch das Statute of 1 Jac. I c. 13 zum Verbrechen gegen den König erklärt. Leichname wurden entehrt, Vermögen eingezogen. Auch im Ancien Régime Frankreichs war Suizid strafbar. Der Fall Marie Jaguelin (1718) zeigt dies tragisch: Die schwangere Jugendliche nahm sich aus Scham das Leben. Ihre Leiche wurde exhumiert, öffentlich ausgestellt und verbrannt. Ihr Kind wurde getrennt beigesetzt, da es als unschuldig galt.

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Sicht auf Suizid weiter. Emile Durkheim analysierte 1897 in "Le Suicide" erstmals systematisch gesellschaftliche Ursachen für Suizid und unterschied verschiedene Typen (egoistisch, altruistisch, anomisch). In Preußen behandelte das Strafgesetzbuch von 1851 Suizid und Suizidversuche nicht mehr als Straftaten, sondern verlagerte den Fokus auf Hilfe und Prävention.

20. Jahrhundert

Mit der Entwicklung der Psychiatrie und Psychologie gewann das Verständnis für psychische Hintergründe von Suizid an Bedeutung. Sigmund Freud und andere erforschten zugrunde liegende psychische Mechanismen. Während des NS-Regimes wurde Suizid ideologisch instrumentalisiert: Einerseits als Schwäche verurteilt, andererseits durch Verfolgung oft provoziert. Stefan Zweig, jüdischer Schriftsteller, wählte 1942 aus Verzweiflung über die politischen Zustände den Suizid. Sein Abschiedsbrief endet mit den Worten: "Ich, zu ungeduldig, gehe ihnen voraus."

Moderne & Gegenwart

Mit dem Aufstieg moderner Wissenschaften und wachsendem Bewusstsein für psychische Gesundheit verlagerte sich die Sichtweise: Weg von moralischer Verurteilung, hin zu Prävention, Verständnis und Entstigmatisierung. In Großbritannien galt Suizid bis in die 1960er als kriminelles Delikt. In Deutschland ist er heute straffrei. In der Schweiz wurde Suizid 2006 vom Bundesgericht als Menschenrecht anerkannt. Heute gilt Suizid als komplexes Geschehen, bedingt durch psychische, soziale und biologische Faktoren. Moderne Psychiatrie und Psychologie setzen auf frühzeitige Intervention und Unterstützung, während sich die Gesellschaft zunehmend auf Entstigmatisierung und den Ausbau von Hilfsangeboten konzentriert.

Mutig. Echt. Respektvoll

Prävention beginnt früher

Suizidprävention beginnt viel früher, als wir oft denken.
Suizidgedanken, -handlungen und ihre Folgen sind keine Einzelschicksale.
Sie sind Ausdruck gesellschaftlicher und gesundheitspolitischer Herausforderungen – und sie sind vermeidbar.
Wenn wir hinschauen. Frühzeitig. Ernsthaft. Miteinander.

Menschen in seelischen Krisen brauchen schnelle Hilfe

Prävention beginnt nicht erst in der Krise. Sie beginnt im Alltag: in Schulen und Jugendhilfe, in der Sprache, die wir wählen, in offenen Gesprächen, im politischen Willen, Systeme zu verändern.

Was nötig ist und was es braucht

Hinschauen statt Übersehen. Hören statt Schweigen. Handeln statt Abwarten. Unser Gesundheitssystem muss frühe, niedrigschwellige Hilfe ermöglichen – nicht erst im Notfall. Es braucht neue Wege. Mehr Ressourcen. Und echte Gespräche über psychische Gesundheit.

Mental Health ist kein Randthema

Psychische Gesundheit ist keine Nebensache. Sie ist die Grundlage für Leben, für Würde – und für echte Suizidprävention.

Doch genau daran fehlt es oft.
Therapieplätze sind monatelang ausgebucht. Besonders Kinder und Jugendliche warten – zu lange. In ländlichen Regionen fehlen Anlaufstellen, in Städten sind Systeme überlastet. Hilfe ist oft schwer erreichbar – oder gar nicht vorhanden.

Wer in einer Krise steckt, kann nicht warten.
Aber genau das passiert – jeden Tag. Nicht, weil Menschen zu schwach wären. Sondern weil die Strukturen versagen – oder die falsche Sprache sprechen.

Weil es an Haltung fehlt, die Menschen in ihrer Not wirklich ernst nimmt.
Weil nicht respektvoll zugehört, nicht offen wahrgenommen, nicht einladend kommuniziert wird.
Weil Menschen zu oft nicht das Gefühl bekommen: Du bist hier richtig, genau so, wie du gerade bist.

Und auch Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Ob in Nachrichten, Radioformaten, Serien, Talkshows oder Streaminginhalten – überall dort, wo Suizid thematisiert wird, macht Sprache einen Unterschied. Berichterstattung, fiktionale Inhalte und Popkultur können entstigmatisieren – oder verfestigen, was verletzt. Deshalb braucht es auch hier Bewusstsein, Sorgfalt und den Mut, Sprache weiterzuentwickeln. Nicht reißerisch. Nicht vereinfachend. Sondern respektvoll, ehrlich und menschlich.

Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das auffängt, bevor Menschen fallen.
Und eine Medienlandschaft, die mitträgt.
Ein System, das nicht erst im Notfall reagiert, sondern vorher zuhört.
Ein Umfeld, das psychische Gesundheit nicht am Rand verwaltet – sondern in den Mittelpunkt stellt.

Hinschauen. Hinhören. Miteinander.

Sprache kann Türen öffnen. Oder sie verschließen.
Wer Menschen in seelischer Not erreichen will, muss bereit sein, zuzuhören – ohne zu bewerten. Muss Worte wählen, die verbinden – nicht belehren. Muss aushalten, was schwer ist – und den Mut haben, darüber zu sprechen.

Suizidprävention beginnt mit Haltung.
Mit Respekt. Mit Sprache. Mit dir.

Sprich mit uns. Für echte Hilfe. Für ein neues Miteinander.
Und für eine Gesellschaft, die niemanden verliert, weil niemand hinsieht.

 

Hilfe gesucht?

Du bist nicht allein

Hilfe & unterstützung

🟣 Weil das Leben nicht besser ist ohne dich.

📍 DEUTSCHLAND

  • Telefonseelsorge
    📞 116 123 – anonym, kostenfrei
    ✝️ 0800 111 0 111 (evangelisch)
    ✝️ 0800 111 0 222 (katholisch)

  • Kinder & Jugendliche
    📞 116 111 – Nummer gegen Kummer
    🌐 mano-beratung.de

  • Elterntelefon
    📞 111 0 550 – Nummer gegen Kummer (für Eltern)

  • Hilfsangebote
    🔗 Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention


📍 ÖSTERREICH


📍 SCHWEIZ

  • Pro Juventute (Kinder & Jugendliche)
    📞 147 | 🌐 147.ch

  • Dargebotene Hand / Sorgentelefon
    📞 143 | 🌐 143.ch

  •  

🟣 Du bist nicht vergessen.

Die Trauer Taskforce

Das Kompetenznetzwerk für den gesamten deutschsprachigen Raum - D-A-CH


📍 DEUTSCHLAND

  •  

📍 ÖSTERREICH


📍 SCHWEIZ

so kannst du helfen

  • Zuhören & ernst nehmen
    Höre aufmerksam und ohne Urteil zu. Zeige Verständnis und nehme die Aussagen ernst.

  • Emotionale Unterstützung bieten
    Sei empathisch und zeige Mitgefühl. Versichere der Person, dass du für sie da bist – und bleibst.

  • Offenheit & Kommunikation fördern
    Ermutige dazu, über Gefühle und Gedanken zu sprechen. Frage sanft nach, wie es der Person wirklich geht.

  • Sicherheitsnetz aufbauen
    Überlegt gemeinsam, welche Schritte die Situation entschärfen könnten.

  • Hilfe anbieten
    Schlage vor, gemeinsam professionelle Hilfe zu suchen – etwa eine Beratungsstelle, eine Therapeut*in oder einen Arzt.

  • Notfallkontakte bereitstellen
    Kenne die wichtigsten Notrufnummern und teile sie weiter.

  • Gemeinsam nach Ressourcen suchen
    Unterstütze die Person dabei, passende Angebote zu finden – etwa Therapiezentren, Onlineberatung oder Selbsthilfegruppen.

  • Die Situation ernst nehmen
    Ist die Person in akuter Gefahr, zögere nicht, Hilfe zu holen – per Notruf 112 oder Polizei.

  • Eigene Grenzen erkennen
    Du musst nicht alles allein tragen. Hol dir selbst Unterstützung, wenn du merkst, dass es dich belastet.

  • Selbstfürsorge nicht vergessen
    Auch deine Gefühle sind wichtig. Sorge gut für dich – denn Helfen kann emotional fordern.

  • Zuhören & Mitgefühl zeigen
    Sei da, höre zu – ohne Ratschläge, ohne Druck.

  • Praktische Hilfe anbieten
    Einkaufen, Kochen, Papierkram – kleine Dinge entlasten in schweren Zeiten.

  • Verfügbarkeit signalisieren
    Biete dich für Gespräche, gemeinsame Zeit oder einfaches „Da-Sein“ an.

  • Geduld haben
    Trauer verläuft nicht linear. Lass der betroffenen Person ihren eigenen Rhythmus.

  • Professionelle Hilfe empfehlen
    Bei Bedarf kannst du Trauerbegleitung oder Therapie anregen – und ggf. helfen, Angebote zu finden.

  • Erinnerungen teilen
    Gemeinsame Geschichten oder Fotos können heilsam sein.

  • Gedenken ermöglichen
    Ob Gedenkfeier oder kleiner Moment – unterstützt gemeinsames Erinnern.

  • Auf emotionale Krisen achten
    Beobachte, ob sich tiefergehende Belastungen zeigen. Ermutige ggf. zur weiteren Hilfe.

  • Grenzen respektieren
    Nähe und Distanz wechseln sich ab – akzeptiere, was die betroffene Person gerade braucht.

  • Langfristig da sein
    Bleibe in Kontakt. Trauer endet nicht nach Wochen – und dein Dasein kann viel bedeuten.

Lass uns worte wechseln für echte Suizidprävention

Es ist Zeit für

Sensibel. Klar. Und offen. Denn Worte schaffen Wirklichkeit – und Haltung kann Leben retten.

Sprache verändert – und du kannst mitmachen.

Ob privat, beruflich oder im öffentlichen Raum – du kannst ein Zeichen setzen. Hilf mit, das Reden über Suizid zu verändern. Wir freuen uns auf deine Nachricht!

Bo HauerJörg Kosmak
Bitte bestätigen

Werde jetzt Teil
der Crew!

Gemeinsam machen wir Trauer sichtbar und geben ihr den Platz, den sie verdient. Ob fachlich, privat oder als Unterstützer*in — hier ist Raum für Vernetzung und Engagement.

Mach mit. Gestalte Veränderung mit uns.

Zusammenarbeit?
Sehr gern.

Wir arbeiten mit Menschen und Organisationen zusammen, die Trauer nicht wegsortieren, sondern ihr Raum geben.

Du hast eine Idee oder ein Anliegen?
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